12.10.2026

Böse Hornissen?

Ich habe heute unsere (einheimische) Hornissen im Garten beobachtet. Innert weniger Minuten haben sie an den Herbstastern 3 Honigbienen gefangen und getötet. Dass sie so spät im Jahr noch auf Jagd gehen überrascht mich. Ich finde sie sonst eher an faulen Trauben und angefressenen Äpfeln, wo sie Zucker lecken.

Die aufmerksamen Bienen hören die nahenden Hornissen und lassen wie ein Stein auf den Boden fallen. Dasselbe tun die kleinen Hummeln, während die grossen Erdhummeln sich durch Hornissen nicht stören lassen. Bienen kennen die Gefahr und versuchen, ihr zu entgehen. Bilder von Hornissen vor Bienenstöcken zeigen ebenfalls eindrückliches Abwehrverhalten von Bienen.

Hornissen sind nützlich und geschützt. Das Hornissennest gleich neben meinem Schlafzimmerfenster verlangt Rücksicht, wenn sie nachts beharrlich ans Licht fliegen und sich an der Scheibe auf und ab mühen. Und etwas Toleranz ist auch nötig. Denn das emsige Treiben in der Nacht ist gut zu vernehmen. Im grossen Nest leben viele Hornissen, die offenbar zu einem grossen Teil von Insekten leben. Bienen und Schmetterlingsraupen sind besonders nahrhafte Beute. Das sind aber sympathische Tiere – die sollten sie uns Menschen zuliebe in Ruhe lassen. Die gefangenen Wespen sind uns eher egal.

Sind sie nun gut oder schlecht, unsere Hornissen? Und wie ist es mit den Asiatischen Hornissen. Die sind ja offensichtlich extrem schlecht und nur schlecht. Obwohl sie in ihrer Nahrungswahl und in ihrem Verhalten sehr ähnlich sind wie die heimischen. Sie bilden freilich viel grössere Kolonien, brauchen also mehr Futter – auch Bienen. Die Honigbienen unterscheiden nicht zwischen heimischen und asiatischen Hornissen, wehren sich so gut sie können.

Die Asiatischen Hornissen nehmen eine ökologische Nische ein, die sich gut ins bisherige Nahrungsgeflecht einordnet. Wir tun gut daran, das neue funktionale Element in unserer Landschaft emotionslos anzunehmen und genau hinzuschauen. Die lauten Schlachtrufe gegen den fremden Eindringling muten konservativ wenn nicht rassistisch an und blenden die ökologische Realität aus. Die Asiatischen Hornissen besetzen rasch die ihnen passende Landschaft und passen sich den hiesigen Bedingungen an. So wie vor kurzem die Asiatischen Marienkäfer, der Quaggamuscheln oder die Tigermücken.

Neu auftretende Arten sind nicht zu verharmlosen, aber nach ihrer ökologischen Funktion und den Auswirkungen auf das Ökosystem einzuordnen. Die Ausrottung neu aufgetretener Arten ist mit seltenen Ausnahmen noch nie gelungen. So verläuft es auch mit dem Japankäfer, dem Waschbär oder dem Signalkrebs. Statt wie Don Quichote zu kämpfen, könnte man sich auf die Koexistenz und die gezielte Minderung scherwiegender ökologischer und wirtschaftlicher Schäden konzentrieren.

Zeitgleich werden exotische Bäume angepflanzt mit dem Argument der Klimaresilienz. Dass bei solchen Pflanzungen auch neue Krankheitserreger und Pilze eingeschleppt werden, ist im Wald offenbar irrelevant, aber dennoch widersprüchlich. Abgesehen davon, dass die Ansiedlung neuer Arten für theoretisch vorweg genommene, nicht voraussagbare Lebensbedingungen einem rückwärts gewandten, mechanistischen Produktionsdenken entspringt. Vor allem aber ist es Ausdruck eines anthropomorphen Denkens über Natur und Ökosysteme.

Unsere Ökosysteme sind alle verarmt und in ihrem ökologischen Potenzial massiv gestört. Da hat es viel Platz für Neues und dieses Neue wird unsere Ökosyteme nicht noch mehr zerstören, sondern verändern und resilienter werden lassen. Hornisse mit Biene